Bevor ich auf Nelly zu sprechen komme, muß ich Susi erwähnen. Und Zoé. Und Max. Zoé und Max leben noch. Sie sind enge Freunde von Nelly, genauer gesagt, es sind die Hunde meiner Tochter und deren Lebensgefährten. Wobei die Hündin Zoé (Labradormix, beige) meiner Tochter gehört und Max (Labrador, schokoladenbraun) ihrem Lebensgefährten.
Beide sind nun aber weit weg verzogen. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt Nelly habe. Meine Tochter und ich wohnten nämlich nebeneinander. Ich im Mittelhaus eines Anwesens, einer ehemaligen, zur Wohnung umgebauten Schreinerwerkstatt, und sie im Hinterhaus, einer ehemaligen, umgebauten Scheune. Das war natürlich ideal. Zum Hundehüten.
Zuerst hatte meine Tochter einen schwarzen Kater, den sie zitternd unter einem Auto gefunden hatte. Der entwickelte sich bei ihr prächtig zu einem bildschönen Exemplar seiner Gattung. Eines Tages war Sperrmüllabfuhr. Unzählige polnische Kastenwagen fuhren durch's Dorf und sammelten, was sie brauchen konnten. Darunter war leider auch der Kater, der nachts durch die Gärten streifte. Nach der Sperrmüllabfuhr fehlten allein in unserer Straße drei Katzen. In Polen sind Katzenfelle sehr beliebt. Man fertigt daraus Handwärmer, sogenannte "Muffs", wenn jemand diesen Begriff noch kennt. Das Verschwinden des Katers war ein Drama. Tagelang habe ich meiner Tochter bei der Suche geholfen und überall Plakate angeklebt. Aber es half nichts. Er war und blieb verschwunden.
Einige Monate später rief mich meine Tochter an und bat mich, zu ihr rüberzukommen. Sie wolle mir etwas zeigen, rückte aber mit der Sprache nicht raus. Also ging ich rüber und mir bot sich folgender Anblick: Auf einer roten Decke lag ein winziger, beigefarbener Hund mit großen Knopfaugen (ich werde das Photo im nächsten Blog hochladen).
Natürlich habe ich das Kerlchen sofort hochgenommen, da knurrte es mich an und biß mir in den Finger. Es wollte zu seiner Mutter. Wir gewöhnten uns aber schnell aneinander, vor allen Dingen, da meine Tochter noch studierte und so zwangsläufig ihre Tage in Heidelberg verbrachte. Der Hund mußte natürlich versorgt werden - von mir. Also zogen wir ihn gemeinsam groß. Ich tagsüber, meine Tochter nachts und am Wochenende.
Nach einem Jahr war Zoé zu einem stattlichen "Mädchen" herangewachsen (Photo im nächsten Blog), und plötzlich erschien Max. Das war der Hund der Mutter des neuen Freundes meiner Tochter. Zunächst kam er nur am Wochenende. Die Mutter verstarb aber mit 55 Jahren an Leukämie, nachdem es eine gute Prognose gab. Und nun, wohin mit Max? Kein Gedanke, ihn wegzugeben, denn er ist eine Seele von Hund. Ruhig, freundlich, durch nichts zu erschüttern. Also versorgte ich nun zwei Hunde. Man gewöhnt sich daran.
Als mir meine Tochter eines Tages eröffnete, daß sie mit ihrem Lebensgefährten nach Bayern ziehen werde, war ich zunächst geschockt. Ich konnte mir ein Leben ohne die Hunde gar nicht mehr vorstellen. Daß sie wegen ihres Studiums an zwei Tagen der Woche nach Bruchsal kommen wollte, half nicht viel. Ich bin geschieden und lebe allein. die Hunde haben erst gar nicht die Zeit aufkommen lassen, darüber nachzudenken (nicht über das geschieden-Sein, über das Alleinsein). Irgendwie hat meine Tochter geahnt, daß mir das mit den Hunden nahegeht. Eines Tages meinte sie, ich solle mit ihr mal ins Tierheim gehen, "Hunde anschauen". Ich wollte aber nicht, da ich auf Zoé und Max fixiert war. Irgendwie schaffte sie es aber dann doch, mich zu überreden, und wir fuhren nach Odenheim zum Gnadenhof Garscha.
Meine Tochter war, wie ich gemerkt habe, schon heimlich dort gewesen (von daher stammt auch Zoé) und hat sich auch schon einen Hund ausgekuckt. Auf dem Hof liefen ca. 10 Hunde ganz freundlich frei herum, nicht in Käfige eingesperrt, wie man das sonst so in Tierheimen sieht. Ich war gleich umringt von einem Rudel Hunde, die mich beschnupperten und gestreichelt werden wollten. Meine Tochter deutete auf einen mittelgroßen, schwarz-braunen Hund mit weißer Brust und weißen Pfoten, der sich neugierig vordrängelte. Es war eine Hündin und sie erinnerte mich sofort an Susi. Susi war ein schwarz-brauner Rehpinscher und seit fast 50 Jahren tot (sie kam auf tragische Weise um). Der Hund, der sich jetzt an mich drängelte, war zwar fast doppelt so groß wie Susi, aber das Gesicht, die Gestalt, es hätte Susi sein können. Als sie herkam und mich beschnupperte, stand mein Entschluß fest: In 14 Tagen wollte ich sie abholen, in drei Tagen nochmals vorbeikommen und einen ersten Spaziergang mit ihr machen.... (lesen Sie beim nächsten mal, wie es weitergeht).